(Entwurf) Philosophie als Restmüll: über Philosophaselei und Poeselei

„Man liest und liest und versteht jedes Wort und weiß am Ende doch nicht, was man gelesen hat. So geht es mir mit scholastischen Texten, etwa Thomas von Aquins "De ente et essentia". Einfaches Latein, eigentlich kein Problem. Aber wovon handelt es? Wenn ich bei Philosophen vom Sein, vom Seienden und vom Wesen lese, senkt sich schwere Finsternis über mein Gemüt. Ich sehe, wie die Wörter hin und her geschoben werden, kann aber keinen Sinn damit verbinden. Der größte Fortschritt meines Lebens bestand in der Einsicht, daß es nicht an mir liegt.“ (Theodor Ickler)

„[W]e were looking at something by Spinoza—and there was the most childish reasoning! There were all these Attributes, and Substances, all this meaningless chewing around, and we started to laugh. Now, how could we do that? Here’s this great Dutch philosopher, and we’re laughing at him. It’s because there was no excuse for it!“ (Richard Feynman)

„Das ist nicht nur nicht richtig, es ist nicht einmal falsch!“ (Wolfgang Pauli zugeschrieben)

„Philosophie ist dumm.“ (Jörg Wipplinger; sein Video wurde entfernt, war etwa der Backlash zu unangenehm?)

Ursprünglich umfasste die Philosophie diverse Erkenntnisbereiche. Ein φιλόσοφος filósofos ist quasi ein Freund (φίλος fílos) der Weisheit (σοφία sofía). Das Buch Philosophiæ Naturalis Principia Mathematica, in dem Isaac Newton mit seinen Bewegungsgesetzen die klassische Mechanik begründete, galt als ein naturphilosophisches Werk. Der weite Sinn hat sich im Titel Doctor of Philosophy (PhD, DPhil) erhalten, der in englischsprachigen Ländern vergeben wird – nicht nur im Fach Philosophie!

Im Laufe der Zeit ist das Wissen der Menschheit stark angewachsen und es kam zur Spezialisierung, zumal es schwieriger wurde, auf allen Gebieten kompetent mitzureden – eigenständige Wissenschaftsdisziplinen haben sich herausgebildet, die heutzutage nicht zur Philosophie gezählt werden und eigene Standards bzw. Methodologien haben. Ein Unterschied lässt sich beim Grad der Strenge ausmachen: In der Mathematik können Sätze aus Axiomen deduktiv hergeleitet werden. Eine mathematische Aussage gilt in der Regel erst dann als gesichert, wenn sie tatsächlich bewiesen wurde. In den Naturwissenschaften wird hingegen aus Beobachtungen induktiv verallgemeinert, es werden Theorien und Hypothesen gestrickt, die sich nicht im mathematischen Sinne beweisen lassen. Wir können zum gegebenen Zeitpunkt nicht komplett sicher sein, dass am nächsten Tag die Sonne aufgehen wird; vielleicht gelten dann die uns vertrauten physikalischen Gesetzmäßigkeiten nicht mehr. Deren Anwendung hat bisher aber super funktioniert. Die Latte wird entsprechend niedriger gelegt: In der Teilchenphysik wird eine statistische Signifikanz von mindestens 5σ gefordert, um von einer Entdeckung zu sprechen, in anderen Disziplinen wie den Sozialwissenschaften wird oft schon 2σ akzeptiert. Die Physik gilt als Hard Science, die Soziologie eher als Soft Science.

Die Philosophie gibt es als Disziplin immer noch, aber was bleibt da überhaupt noch übrig (und wie streng wird da gearbeitet), nachdem sich die Wissenschaft mehr oder weniger davon abgespalten hat? Ich bin geneigt, zu sagen: ziemlich viel sinnleeres Geschwätz. Ich stelle fest, dass die Tatsache, dass in der Philosophie so viel Uneinigkeit herrscht (vgl. What Do Philosophers Believe?, Seite 14), auch darauf zurückzuführen ist, dass mit Begriffen hantiert wird, von denen über keine einheitliche Definition bzw. Auffassung verfügt wird. Es wird einfach drauflosfabuliert, als sei die Fragestellung klar, und auf diese Weise lassen sich für verschiedene Antworten „Argumente“ anführen, die alle irgendwie plausibel klingen.

Ontologischer Status mathematischer Objekte

Mein Computer hat bewiesen, dass (94 ⋅ 105035 − 1)/3 = 3133…33 (mit insgesamt einer Eins und 5036 Dreien) eine Primzahl ist. Ich würde durchaus sagen, dass die Zahl schon immer existierte und eine Primzahl war, auch als das noch unbekannt war. Bei manchen ruft das vielleicht ein Stirnrunzeln hervor. „Wie geht denn das, ist die Mathematik nicht ein Konstrukt? Wo sonst sollen Zahlen herumschwirren, wenn nicht im Kopf eines Mathematikers?“ Im Wikipedia-Artikel Philosophie der Mathematik ist zu lesen:

Eine unter Mathematikern verbreitete Position ist der Realismus, vertreten u. a. durch Kurt Gödel und Paul Erdős. […]

Die klassische Form des Realismus ist der Platonismus, dem zufolge die mathematischen Gegenstände und Sätze losgelöst von der materiellen Welt und unabhängig von Raum und Zeit existieren, zusammen mit den anderen Ideen wie dem „Guten“, dem „Schönen“, oder dem „Göttlichen“. Das Hauptproblem des Platonismus in der Philosophie der Mathematik ist die Frage, auf welche Weise wir als begrenzte Wesen die mathematischen Objekte und Wahrheiten erkennen können, wenn sie in diesem „Ideenhimmel“ beheimatet sind. Laut Gödel leistet dies eine mathematische Intuition, die, ähnlich einem Sinnesorgan, uns Menschen Teile dieser anderen Welt wahrnehmen lässt.

Das Geschwurbel von der „Intuition“, die uns Teile einer „anderen Welt“ wahrnehmen lässt, tut echt weh. Es ist doch so: Es mag eine Zeit gegeben haben, in der noch nie jemand von einer Primzahl gesprochen hatte, aber das hindert mich nicht daran, den Ausdruck Primzahl nach der heute üblichen Formulierungsweise zu gebrauchen, selbst wenn ich eine Aussage über eine Zeit mache, in der den Ausdruck noch nie jemand gebraucht hatte. Rein mathematische Sätze sollen keinen empirischen Gehalt haben. Die Welt mag vor einer Million Jahren gewesen sein, wie sie will, es ist theoretisch vollkommen valide, zu sagen, dass auch damals 2 + 2 gleich 4 war, denn nach dem heutigen Sprachgebrauch ergibt sich die Symbolfolge „2 + 2 = 4“ und diese Symbolfolge kann – so ist es nun mal gedacht! – unabhängig davon, von welchem Szenario die Rede ist, gebraucht werden, also auch im Satz „Vor einer Million Jahren war 2 + 2 = 4“; dass damals schon die mathematischen Symbole „2“, „+“, „=“ und „4“ etabliert waren, wird ja nicht behauptet. Natürlich ist es witzlos, das gerade auf diesen Zeitpunkt festzunageln, auf der anderen Seite lassen sich über die Vergangenheit mit mathematischen Ausdrücken auch Aussagen mit empirischem Gehalt machen, zum Beispiel: „Die typische Temperatur der Quark-Ära lag zu Beginn bei etwa 1022 Kelvin […].“ (Quelle) Zur Quark-Ära waren Zehnerpotenzen noch von niemandem beschrieben – Quarks schon gar nicht! Das macht nichts, wir haben ein Modell von der Vergangenheit, das wir mit heute üblichen Ausdrücken beschreiben können.

Mir könnte die Frage gestellt werden: „Aber existieren (beispielsweise) reelle Zahlen wirklich oder ist das nur so eine Sprechweise?“ – Dazu kann ich jedoch keine Stellung beziehen, solange unklar ist, was mit „wirklicher“ Existenz gemeint ist. Im üblichen mathematischen Sinn gibt es reelle Zahlen. Klar, bestimmte Kategorien sind auf mathematische Objekte nicht anwendbar. Ist 2 wärmeleitfähig? Welche Farbe hat sie? Wie schmeckt sie? Wo befindet sie sich? Umgekehrt sind bestimmte Kategorien auf physikalische Körper nicht anwendbar. Was ist die Quadratwurzel eines Atoms? (Und so weiter.) Ich sehe keine Dringlichkeit, den Existenzbegriff ausgerechnet auf materielle Objekte einzuschränken, geschweige denn solche, die mit bloßem Auge wahrnehmbar sind.

Bei der Debatte kann es natürlich auch einfach darum gehen, Meinungen darüber kundzutun, welche Bedeutung bestimmten Ausdrücken zukommen soll, oft erlebe ich sie allerdings nicht so. Im Welt-Artikel Haben wir die Mathematik erfunden – oder nur entdeckt? steht etwa:

Livio setzt sich seit Jahren mit der Frage auseinander, ob Mathematik eine Erfindung des Menschen oder eine dem Universum innewohnende Logik ist. Die akademische Welt der Mathematiker, Physiker und Ingenieure ist sich in dieser Frage keinesfalls einig. Viele sagen auch, dass sie es schlicht nicht wissen, und nennen es das Mysterium der Mathematik.

Und es tut mir leid, ich kann hier kein Mysterium entdecken – eher eine Konfusion bei der Fragestellung.

Wird Mathematik erfunden oder entdeckt? Guinness World Records führt einen Rekord für die „neueste Zahl“ (Newest number):

Surely numbers are not invented or discovered – they just are. For most of the numbers that we know of this is indeed the case. But one number in particular did have to be invented – zero.

Stopp! Was ist denn eine Erfindung? Einen materiellen Gegenstand zu erfinden, heißt nicht, ihn zu erbauen; ein Er-Finden ist tatsächlich ein Finden, gefunden wird hier allerdings nicht ein bereits vorhandenes Exemplar, sondern die Konzeption des Gegenstandes. Ebenso kann die Rede davon sein, etwas Abstraktes wie ein Musikstück zu erfinden; die Spielweise kann aufgeschrieben werden und unter Umständen wird die Erfindung irgendwann umgesetzt, indem das Stück aufgeführt wird. Roderick T. Long bemerkte: „Defenders of patents claim that patent laws protect ownership only of inventions, not of discoveries. (Likewise, defenders of copyright claim that copyright laws protect only implementations of ideas, not the ideas themselves.) But this distinction is an artificial one. Laws of nature come in varying degrees of generality and specificity; if it is a law of nature that copper conducts electricity, it is no less a law of nature that this much copper, arranged in this configuration, with these other materials arranged so, makes a workable battery.“

Hingegen erscheint es mir nicht als sinnhaft, Zahlen als Erfindungen zu bezeichnen, da sie sowieso schon da sind (vgl. oben) und nicht klar ist, was unter einer Umsetzung von Zahlen zu verstehen sein soll. Erfunden wurde die Weise, über 0 zu reden, so wie das gewöhnliche Zählen von 1 aus erfunden wurde. Die Besonderheit bei der 0 ist, dass sie einzeln introduziert wurde, ohne dass damit eine weitergehende Zahlbereichserweiterung verbunden war.

Freilich können Zahlen entdeckt werden. Es macht zwar nicht viel Sinn, ohne weiteren Kontext „Ich habe die Zahl 458 entdeckt!“ zu sagen, denn dass es so eine Zahl gibt, ist trivial, so wie wir wohl kaum sagen würden: „Hey, ich habe entdeckt, dass man mit einem Bleistift auch einen Baum malen kann!“ Andererseits können wir sagen, Zahlen mit einer bestimmten Eigenschaft entdeckt zu haben, zum Beispiel hat mein Computer 54 993 018 047 184 800 050 und 62 052 256 786 927 686 350 als befreundete Zahlen ausfindig gemacht.

It was first introduced by Babylonian mathematicians in the fourth century BC to indicate nothing – the absence of any other number.

Das ist meines Erachtens eine schlechte Formulierung. Das Pronomen nichts hat die Funktion eines negierten Existenzquantors. Dass etwas nichts bezeichnet, bedeutet, dass es kein Objekt gibt, das es bezeichnet, null bezeichnet aber etwas, nämlich die Anzahl, wenn nichts vorhanden ist; nichts ist auch keine gute Umschreibung für null: Es könnte gesagt werden, dass nichts mal 0 gleich 1 ist, da es nichts gibt, was mit 0 multipliziert gleich 1 ist, hingegen ist 0 mal 0 natürlich nicht gleich 1.

Sind zumindest imaginäre Zahlen nicht real (vgl. eine Korrespondenz zwischen dem Philosophen Kelley L. Ross und einem Wissenschaftler)? Dazu etwas historischen Kontext: Die Ausdrücke reelle Zahl und imaginäre Zahl gehen auf René Descartes (→ Wikisource) zurück, der den komplexen Zahlenbereich allerdings gar nicht verwendete und die Adjektive im Wortsinn gebrauchte. Er behandelte Wurzeln (Lösungen) von Polynomgleichungen und merkte an, dass wir uns immer so viele Wurzeln in jeder Gleichung vorstellen (imaginer) können, wie er gesagt hat (nämlich wie der Grad des Polynoms angibt), es aber nicht immer eine Größe gibt, die dem entspricht, was wir uns vorstellen. Wir können uns zum Beispiel drei in der Gleichung x3 − 6x2 + 13x − 10 = 0 vorstellen, wovon aber nur eine reell (réelle, Originalschreibweise reelle), also wirklich, und die anderen beiden lediglich imaginär (imaginaires), also vorgestellt/eingebildet sind. Descartes hatte ja auch recht – im Rahmen des von ihm verwendeten Zahlenbereichs hat diese Gleichung nur eine Lösung (2). Im komplexen Zahlenbereich gelten schlichtweg andere Regeln – und danach hat die Gleichung zusätzlich zwei Lösungen (2 − i und 2 + i). Imaginäre Zahl bedeutet heute ‚komplexe Zahl, deren Realteil 0 ist‘ (demnach ist 0 sowohl reell als auch imaginär) oder ‚komplexe Zahl, die ungleich 0 und deren Realteil 0 ist‘ (demnach gibt es immer noch komplexe Zahlen, die weder reell noch imaginär sind). Die Bezeichnung als imaginär mag als mystifizierend kritisiert werden, Descartes trifft hierbei aber keine Schuld.

Gödelsche Unvollständigkeit und künstliche Intelligenz

Martin Balluch argumentiert dafür, dass das Bewusstsein nicht durch ein Computerprogramm simulierbar ist:

Ein Argument aus der mathematischen Logik, ein als wahr bewiesenes Theorem von Kurt Gödel, das sogenannte Unvollständigkeitstheorem. Es besagt, dass es grundsätzlich kein Computerprogramm geben kann, das alle mathematischen Wahrheiten, die wir als wahr erkennen und beweisen können, beweisen kann. Ich kann zwar für jedes Set von solchen wahren mathematischen Theoremen ein Computerprogramm schreiben, das sie beweisen kann, aber ich kann grundsätzlich immer weitere wahre mathematische Theoreme finden, die ich als wahr erkenne, aber die dieses Programm nicht mehr beweisen kann.

Da Balluch einen mathematischen Hintergrund hat, enttäuscht es mich, einen derart offenkundigen Blödsinn von ihm zu lesen, indessen ist er in bester Gesellschaft: Auf ähnliche Weise hat Penrose argumentiert und vor ihm Lucas (→ Lucas-Penrose-Argument).

Der (erste) gödelsche Unvollständigkeitssatz besagt, dass jedes konsistente, hinreichend mächtige, rekursiv aufzählbare formale System F unvollständig ist. Gemäß dem Satz des ausgeschlossenen Dritten müsste es natürlich eine Aussage geben, die wahr ist, obwohl sie aus F nicht ableitbar ist. Wie aber erkennen wir eine Aussage als wahr? Als wahr werden ja nur diejenigen Aussagen angenommen, die aus den Axiomen folgen, bei jeder der restlichen bleibt unklar, ob sie wahr ist, oder ist beweisbar, dass sie falsch ist. Schon klar, es gibt ein n, sodass der Satz mit der Gödelnummer n besagt, dass der Satz mit der Gödelnummer n (also der Satz selbst) nicht ableitbar ist. Dieser Gödelsatz ist in F nicht beweisbar, auch wir können ihn im Rahmen von F (!) nicht beweisen / „als wahr erkennen“, stattdessen ergibt sich dessen Wahrheit von außerhalb des Systems. Genauso kann ein Computerprogramm zu einem gegebenen solchen System dessen Gödelsatz konstruieren und verkünden, dieser Satz sei wahr. Eine menschliche Verhaltensweise, die nicht von einem Computer simuliert werden kann, wurde damit nicht aufgezeigt.

Das Ganze erinnert an ein weiteres Argument gegen starke KI: Computer würden „nur rechnen“ bzw. genau das tun, was in sie einprogrammiert wurde, während Menschen auch Fehler machen würden. (Vgl. Vince Ebert: „Algorithmen haben einen Januskopf. Auf der einen Seite sind sie hoch effizient. Sie machen keine Fehler. […] Aber Perfektion ist nicht kreativ. […] Ein kreativer Prozess ist eigentlich immer ein Fehler im System, genauso wie ein Witz.“) Zwar kann zum Beispiel maschinelle Übersetzung schieflaufen, aber letzten Endes mache das Übersetzungsprogramm nicht wirklich einen Fehler, sondern handle genau so, wie es programmiert ist, nur dass der Algorithmus für akkurate Übersetzung eben nicht genüge. Aber Moment mal! Hier wird einfach sprachlich nach zweierlei Maß gemessen: Ein Mensch kann so wie eine Maschine eine fehlerhafte Übersetzung bringen, nur ist hier lediglich beim Menschen von einem echten Fehler die Rede, weil hinter dem Verhalten des Menschen kein Softwareentwickler steckt, sodass wir verkünden können, er handle der Programmierung entsprechend. Letztlich reden wir aber von derselben Verhaltensweise.

Zur Abwechslung mal eine Sprachfalle, die mir außerhalb der akademischen Philosophie begegnet ist:

Überabzählbar unendliche Zeit

Im Frage-Antwort-Portal COSMiQ (gibt es nicht mehr) merkte ein Benutzer an, dass überabzählbar unendlich viele Elemente auch nicht in unendlicher Zeit abgezählt werden können (oder so ähnlich; alles frei aus dem Gedächtnis). Es kam die Rückfrage, ob sie in überabzählbar unendlicher Zeit abgezählt werden können, was mit einem Nein beantwortet wurde. Ich hätte stattdessen nachgehakt, was „überabzählbar unendliche Zeit“ denn sein soll.

Die Begriffe abzählbar unendlich und überabzählbar unendlich werden verwendet, wenn es um die Mächtigkeit einer Menge geht, bei der Zeit haben wir es dagegen mit einer Intervalllänge zu tun. Jedes reelle Intervall mit mehr als einem Element enthält überabzählbar unendlich viele Elemente, ist aber endlich lang, wenn es eine reelle Zahl als untere Schranke und eine reelle Zahl als obere Schranke des Intervalls gibt, sonst ist es unendlich lang und enthält eben jede reelle Zahl, die eine gewisse reelle Zahl unterschreitet, oder jede reelle Zahl, die eine gewisse reelle Zahl überschreitet – noch kleinere bzw. größere reelle Zahlen gibt es natürlich nicht. Wenn nun für das Nennen eines Elements eine gewisse Zeit (reell und größer als 0) benötigt wird, dann reicht in der Tat das gesamte Intervall (−∞, ∞) nicht aus, um überabzählbar unendlich viele Elemente abzuzählen. Meinetwegen kann dieses Intervall aufgrund dieser Eigenschaft als abzählbar unendlich lang bezeichnet werden; denkbar wäre an dieser Stelle eine Zahlbereichserweiterung um transfinite Ordinalzahlen. Das Intervall [0, ω1), wobei ω1 die erste überabzählbare Ordinalzahl ist, könnte als überabzählbar unendlich lang bezeichnet werden – und wäre sehr wohl ausreichend, um überabzählbar unendlich viele Elemente abzuzählen!

Modallogik

Im Englischen gibt es die Redewendungen I could care less und I couldn’t care less, die ungefähr das Gleiche bedeuten. Wie kann das sein? Müsste nicht der letzte Satz eine Verneinung dessen ausdrücken, was mit dem ersten gemeint ist? Und wäre somit, um Desinteresse auszudrücken, nicht ausschließlich der letzte Satz korrekt? Verschiedene Vermutungen wurden vorgebracht, was es mit dem ersten Satz auf sich hat:

  1. Wir hätten es mit einer negation by association zu tun (vgl. John Lawler). Da die Phrase could care less bereits mit einer Verneinung assoziiert sei, werde die Verneinung einfach weggelassen, ohne dass sich dadurch der Sinn ändern soll.
  2. Es handele sich um Sarkasmus (vgl. Steven Pinker). Gemeint sei gerade das Gegenteil von dem, was gesagt wird, so in der Art: „As if there is something I could care less about!“
  3. Der Satz sei in ironischer Weise positiv formuliert. Im Prinzip könnte der Sprecher sich zwar weniger sorgen, aber er sorgt sich ohnehin nicht viel, nach dem Motto: „Yeah, if I tried really hard, I could care less.“

Ich will eine vierte hinzufügen: Mit dem Wort could wird eine Möglichkeit ausgedrückt. Was als möglich angenommen wird, kann aber unterschiedlich sein. Wenn es allgemein darum geht, wie sehr sich der Sprecher im Sinne einer nomologischen Möglichkeit um etwas sorgen kann im Vergleich dazu, wie sehr er sich tatsächlich um das Thema sorgt, dann ist in der Tat die verneinte Variante angemessen. Die nicht verneinte Variante kann aber herhalten, wenn es um deontische Möglichkeit geht bzw. darum, wie viel Sorge seitens des Sprechers geboten ist: „The matter does not have to be that important to me, so I could care less about it [than you do / than you expect me to do / (oder sogar:) than I do right now].“

To be continued.

Bewusstsein: Ist das hard problem of consciousness wirklich so schwierig?

To be continued.

Zum Weiterlesen

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2 Gedanken zu “(Entwurf) Philosophie als Restmüll: über Philosophaselei und Poeselei

  1. Ich selber bin naturwissenschaftlich veranlagt und glaube nicht an Mysterium und dem Supernatürlichen. Epicurus und Lucretius verkörpern dieses Denken seit der Antike gut, de rerum natura.

    Das steht nicht im Widerspruch, dass wir Menschen nur ein kleiner Teil des Ganzen sind und deswegen per Definition nicht alles erfassen können. Wenn, dann können wir uns der Wahrheit nur nähern. Um das zu tun müssen wir die wissenschaftliche Wahrheit lieben, also Philosophie. Auf der Uni studieren Menschen, die nur Jobs in der Wirtschaft suchen, deswegen zuerst etablierte Theorien, also Science via B.Sc und M.Sc. Menschen, die Wahrheit lieben und neu erkennen wollen werden zu Philosophen via PhDs. Dieser Clash zwischen Wissenschaft und Philosophie ist ein ganz neuer, der durch die Industrialisierung entstanden ist. Ein BSc Engineer denkt anders als ein BSc Physik und der wiederum denkt sehr anders als ein PhD der Biologie.

    Es gibt keinen Grund, warum man nicht Bewusstsein in einem Computer simulieren könnte, aber die Frage ist natürlich, was ist Bewusstsein? Nach modernem Stand der Wissenschaft, haben die meisten Tiere, die sich autonom bewegen können Bewusstsein:
    http://fcmconference.org/img/CambridgeDeclarationOnConsciousness.pdf

    Bewusstsein benötigt nicht viel Intelligenz und Memory, aber es benötigt Emotionen und eine Form des Schmerzes. Wie man Schmerz gut simulieren kann ist noch nicht geknackt. Ein Program: „if battery empty -> recharge“ ist kein Schmerz. Ohne dem kann man nicht Gefühle mit Ereignissen oder Handlungen verbinden und es gibt kein Bewusstsein, egal wie viel CPU/GPU/RAM/Speicher etc zur Verfügung steht.

    Es wird in diesem Sinner immer genug Mysterien in den Naturwissenschaften geben. Wir wissen, dass wir als Teil des Ganzen, nicht alles erfassen können außer wir werden das Alles, Gott. Die Naturwissenschaft sagt dass das nicht geht und das ist was ich an ihr schätzte. Gott weiß alles und existiert nicht. Menschen existieren, aber können nicht alles wissen. Wir können uns der Wahrheiten nähern.

    Wer ein Bewusstsein hat, ist automatisch ein Philosopher.

    SOCRATES definiert was einen Philosophen ausmacht (The Republic by Plato, Book II):

    Would not he who is fitted to be a guardian,
    besides the spirited nature, need to have the
    qualities of a philosopher?

    I do not apprehend your meaning.
    The trait of which I am speaking, I replied,
    may be also seen in the dog, and is remarkable
    in the animal.

    What trait?
    Why, a dog, whenever he sees a stranger, is angry;
    when an acquaintance, he welcomes him, although
    the one has never done him any harm, nor the other
    any good. Did this never strike you as curious?

    The matter never struck me before; but I quite
    recognise the truth of your remark.

    And surely this instinct of the dog is very
    charming; — your dog is a true philosopher.

    Why?
    Why, because he distinguishes the face of a
    friend and of an enemy only by the criterion
    of knowing and not knowing. And must not an
    animal be a lover of learning who determines
    what he likes and dislikes by the test of
    knowledge and ignorance?

    Most assuredly.
    And is not the love of learning the love of
    wisdom, which is philosophy?

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    • Ich hätte Pingbacks abstellen sollen, da mein Text noch unfertig ist, insbesondere fehlt noch, welche Art von Philosophie ich gut finde (etwa ethische Diskussionen, solange nicht unterstellt wird, es gehe um einen objektiven Sachverhalt, oder sprachanalytische Betrachtungen).

      Beim Lucas-Penrose-Argument ging es mir nicht darum, ob Maschinen ein Bewusstsein nachgesagt werden kann, sondern ob menschliches Verhalten simulierbar ist, genau dagegen wird ja der Unvollständigkeitssatz angeführt.

      Was das Bewusstsein angeht, so entspricht mein Standpunkt im Wesentlichen dem von Tomasik: https://reducing-suffering.org/dissolving-confusion-about-consciousness

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